Erste Ausstellung zeitgenössischer Kunst in der Italienischen Botschaft in Wien, Palais Metternich
kuratiert von Marcello Farabegoli

L'année dernière au Palais Metternich …
Text zur Ausstellung von Roland Fischer-Briand


Wüsste es man nicht besser, so könnte man – angesichts der aktuellen weltpolitischen Gegebenheiten – den Titel von Sissa Michelis Ausstellung Dance of Diplomacy im Wiener Palais Metternich als ironischen Euphemismus lesen. Auch das Fundament dieser, von Marcello Farabegoli kuratierten In-situ-Arbeit, ist Zeuge einer turbulenten Historie: Vor 200 Jahren Sitz des Palais Kaunitz, welches dem Wiener Kongress als gesellschaftliches Parkett diente, an dessen Stelle Metternich 1848 sein Winterpalais fertigstellen ließ. Aufgrund der Revolution im gleichen Jahre wurde es geplündert und zwang ihn ins Exil, indem er drei Jahre später bis zu seinem Ableben wohnte. Seit 1908 ist es in italienischem Besitz und bis heute Botschaft der Italienischen Republik. Gelegentlich musizierte Fürst Metternich (Violine) tatsächlich mit Kaiser Franz (Cello) an gemeinsamen Quartettabenden, und dies ist einer der Ausgangspunkte für Dance of Diplomacy. Sissa Michelis zentrale Video-Intervention spiegelt nun diese Räume buchstäblich, indem sie fünf lünettenförmige Projektionsflächen (stellvertretend für die fünf Großmächte von 1814/15) ebendiese Oberflächen visuell abtasten lässt. Laterale wie vertikale Kamerafahrten, mal in die eine, mal in die andere Richtung, zuweilen um die eigene Achse drehend, heben zu einer Choreographie von architektonischen Details an. Gelegentlich synchron, bisweilen sich im Anderen fortsetzend, entsteht ein polyphoner Diskurs über ein gemeinsames Thema. Diese kollektive Bewegung wird akustisch von einem Haydn-Trio umfangen, welches jedoch auf etwa Dreiviertel seines Tempos verlangsamt und von Valeria Merlini resampled wurde. Dadurch erhält der Raum eine eigentümliche Zeitlichkeit, ein hypnotisches Schlingern, eine irreale Intimität, die durch die Absenz von Protagonisten in der Projektion nochmals die eigene Anwesenheit verstärkt. Während die runden Reflektoren sich in den Spiegeln des Saales multiplizieren, wird der Betrachter auf sich selbst zurückgeworfen. Dennoch sanft und elegisch, wie durch eine Lupe von Zeit und Raum. Dance of Diplomacy kann als Transposition gelesen werden: wo Geschichte als eine Betrachtung auf die Zeit selbst, ihrer ständigen Permutation des Augenblicks, als Resonanzkörper unserer Gegenwart manifest wird. Auch ihre Arbeiten in den angrenzenden Räumlichkeiten spiegeln einzelne Elemente dieser ortsspezifischen Installation wider: Eine Serie von hinterleuchteten Video-Stills, deren partielle Überdeckung die Künstlerin am Tag der Dreharbeiten in diesen Räumlichkeiten als tatsächlichen kosmischen Tanz am Himmel beobachten konnte. Wie auch in Historical space as filmic projection, wo ein Lichtkegel eines Projektors einen verdunkelten Raum abtastet und in dem sich der Betrachter zeitweise selbst – als Schattenspiel – dazwischen schiebt.

Sissa Micheli, deren Werke seit jeher über ihr Medium der Fotografie hinausgehen, entwickelt hier einmal mehr spannende und bezugsreiche Arbeiten, die sich gleichermaßen dem Raum wie dem Betrachter mit einschreiben. "Derjenige, der zum ersten Mal an Stelle eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Sigmund Freud, dem dieses Zitat zugeschrieben wird, dürfte wohl einen Diplomaten als Begründer von (Gesprächs-)Kultur vor Augen gehabt haben.

Musik zur ortsspezifischen Installation von Sissa Micheli Joseph Haydn, Trio D-Dur für Klavier, Violine und Violoncello, Hob. XV: 16, II. Andantino più tosto, Allegretto. Freie Interpretation durch Yury Revich (Violine), Ernesto Insam (Cello) und Luca Levuri (Klavier) mit nachfolgender resampelter Version des Stücks von Valeria Merlini aka JD Zazie.


Eine Produktion von Marcello Farabegoli Projects in Kooperation mit der Botschaft von Italien in Österreich gesponsert von: Autonome Provinz Bozen -Südtirol / Deutsche Kultur, Bunderkanzleramt Österreich - Kunst, Gesellschaft der Freunde der bildenden Künste, Alessandro Casciaro Art Gallery, Bank für Trient & Bozen AG - Niederlassung Innsbruck, digirental, Dorotheum, Fiat Chrysler Automobiles Austria GmbH, Gelateria Paolo Bortolotti, Generali Holding Vienna AG, illycaffè und prilfish licht-ton-projektion.

www.marcello-farabegoli.net/dance-of-diplomacy.html
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
KLEMENS WENZEL LOTHAR
2015
Diaprojektion in pink auf männlicher Büste, wahrscheinlich aus julisch-claudischer Zeit
Foto Diego Mosca
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IT SEEMED A SOLAR ECLIPSE DIPPED IN SHADES OF BLUE
2015
Leuchtkästen, Duratrans, 20 x 30 cm
4 verschiedene Unikate
Foto Diego Mosca
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
2015
Pinke Neonleuchtschrift auf Acrylglas
50 x 40 x 10 cm
Foto Diego Mosca
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IT SEEMED A SOLAR ECLIPSE DIPPED IN SHADES OF BLUE
2015
Leuchtkästen, Duratrans, 20 x 30 cm
4 verschiedene Unikate
Foto Diego Mosc
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
2015
Pinke Neonleuchtschrift auf Acrylglas
50 x 40 x 10 cm
Foto Diego Mosca
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2015
Foto Diego Mosca
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
2015
Ausstellungsansicht
Videoinstallation
5 s/w HD Videos auf Reflektoren in Eisenkonstruktionen, 5'03''
Haydn-Trio No. 16 in D-Dur, Hob.XV:16, II. Andantino più tosto Allegretto resampled by Valeria Merlini aka JD Zazie
Foto Diego Mosca
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
2015
Foto Diego Mosca
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
2015
Ausstellungsansicht
Videoinstallation
5 s/w HD Videos auf Reflektoren in Eisenkonstruktionen, 5'03''
Haydn-Trio No. 16 in D-Dur, Hob.XV:16, II. Andantino più tosto Allegretto resampled by Valeria Merlini aka JD Zazie
Foto Diego Mosca
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
2015
Foto Diego Mosca
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
2015
Ausstellungsansicht
Videoinstallation
5 s/w HD Videos auf Reflektoren in Eisenkonstruktionen, 5'03''
Haydn-Trio No. 16 in D-Dur, Hob.XV:16, II. Andantino più tosto Allegretto resampled by Valeria Merlini aka JD Zazie
Foto Diego Mosca
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
2015
Foto Diego Mosca
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
2015
Ausstellungsansicht
Videoinstallation
5 s/w HD Videos auf Reflektoren in Eisenkonstruktionen, 5'03''
Haydn-Trio No. 16 in D-Dur, Hob.XV:16, II. Andantino più tosto Allegretto resampled by Valeria Merlini aka JD Zazie
Foto Silke Baron
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
2015
CITY OF PROMISES, 2014
HD Video, 16:9, Farbe, Ton, Loop
The Cinema of the Pinocchie
Kino 300 x 40 x 60 cm, Fichtenholz und Plexiglas
Foto Diego Mosca
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
2015
Ausstellungsansicht
Videoinstallation
5 s/w HD Videos auf Reflektoren in Eisenkonstruktionen, 5'03''
Haydn-Trio No. 16 in D-Dur, Hob.XV:16, II. Andantino più tosto Allegretto resampled by Valeria Merlini aka JD Zazie
Foto Diego Mosca
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
2015
The Salt Shaker of the Pinocchie
2 goldene Eistüten, Salz und Pfefferstreuer
Foto Diego Mosca
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2015
Musik zur ortsspezifischen Installation der Künstlerin: Ernesto Insam / Cello, Luca Lavuri / Klavier, Valeria Merlini / Resampling und Yury Revich / Violine.
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
2015
The Salt Shaker of the Pinocchie
2 goldene Eistüten, Salz und Pfefferstreuer
Foto Diego Mosca
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
IT SEEMED A SOLAR ECLIPSE DIPPED IN SHADES OF BLUE
2015
Leuchtkästen, Duratrans, 20 x 30 cm
4 verschiedene Unikate
Foto Diego Mosc
>DANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONSDANCE OF DIPLOMACY – TRANSPOSITIONS
2015
Prototyp CITY OF PROMISES, 2014
Mit Goldfarbe lackierte Eistüten
Foto Diego Mosca