Museion Medienfassade
kuratiert von Frida Carazzato


Wir schreiben das Jahr 1956 und Andy Warhol, zu dem Zeitpunkt noch unbekannt, möchte dem MoMA in New York ein Bild schenken. Die ehrwürdige Institution lehnt aus Platzgründen aber ab und bittet ihn, das Bild wieder abzuholen. Man sieht: Sogar für Genies ist aller Anfang schwer …
Wie oft wurde ein großer Künstler, Erfinder oder Wissenschaftler abgewiesen, bevor er berühmt wurde? Sogar die Besten mussten Ablehnung einstecken, deshalb sollte man sich nicht entmutigen lassen und nicht aufhören an sein eigenes Talent zu glauben.
Diese Überlegung ist die Basis der eigens für die Museion Medienfassade entwickelten Arbeit Art Theft Reversed, der Künstlerin Sissa Micheli (Bruneck, 1975). Das Video zeigt die Künstlerin, die sich – komplett Schwarz angezogen – ins Museion einschleichtund sich einer Vitrine nähert, ganz so wie wir uns den klassischen Kunstdiebstahl vorstellen. Nur, dass Sissa Micheli anstatt etwas aus dem Museum zu entwenden, heimlich etwas hinterlässt: ein umgekehrter Kunstdiebstahl also. Was ins Museum geschmuggelt wird, ist der Brief von 1956 mit dem das MoMA Andy Warhols Werk zurückwies und das spätere Genie der Pop Art darum bat, sein Bild wieder abzuholen. „Meine Botschaft ist, dass Künstler und Künstlerinnen sich nicht von Absagen großer Kunsthäuser einschüchtern lassen sollen, sondern die Ablehnung, wie bei Warhol, als einen besonderen Ansporn sehen sollen, der sie erst Recht an die Spitze trägt“, so Sissa Micheli.
Das Finale des Videos ist überraschend: die “Diebin” wird von Paparazzi auf frischer Tat ertappt, die sie aber fotografieren wie einen Star. Die Museumsdynamiken stehen Kopf: ist dieser verkehrte Kunstdiebstahl nun Wirklichkeit oder Vorstellung?